Das Bundeslandwirtschaftsministerium erwartet die größte Kartoffelernte seit 25 Jahren. Die vorläufigen amtlichen Ergebnisse deuten auf eine Gesamtenge von rund 13,4 Mio. Tonnen hin, teilte das Agrarressort am Mittwoch (24.9.) mit. Das wären 5,3% mehr als im bereits sehr guten Jahr 2024, während der mehrjährige Durchschnitt um 17% übertroffen würde. Zuletzt war im Jahr 2000 eine ähnlich hohe Kartoffelmenge eingebracht worden.
Zurückzuführen ist die gute Kartoffelernte laut Ministerium zum einen auf eine Ausweitung der Anbaufläche. Mit etwa 301.000 Hektar überschreite das Anbauareal den Vorjahreswert um 6,7% und sei damit so groß wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Einen Beitrag zum erwarteten Rekordergebnis leiste aber auch der Durchschnittsertrag, so das Agrarressort. Dieser liege bundesweit voraussichtlich bei etwa 44 t/ha und damit knapp 5% über dem mehrjährigen Durchschnitt, aber rund 1% unter dem sehr guten Wert des Vorjahres.
Laut Ministerium waren in diesem Jahr die Vegetationsbedingungen für die Kartoffeln bislang deutlich besser als 2023 und 2024. Auf einen ausreichend nassen Winter sei ein warmes, trockenes Frühjahr gefolgt, das Auspflanzungen unter ausgezeichneten Bedingungen und im normalen zeitlichen Umfang zugelassen habe. Da in der Folge nur regional Nässe gefehlt habe, seien die ersten Frühkartoffeln zeitig gerodet worden. Nach Möglichkeit seien Bestände bewässert worden.
Die große Erntemenge wirke sich bereits auf die Kartoffelpreise aus, erklärte das Ministerium. Schon die Erzeugerpreise für Frühkartoffeln seien auf einem deutlich niedrigeren Niveau gestartet als in den Vorjahren. Für Speisekartoffeln aus der Haupternte werde den Erzeugern derzeit rund ein Drittel weniger gezahlt als im Vorjahr. Das mache sich auch im Geldbeutel der Verbraucher bemerkbar; im August 2025 seien Speisekartoffeln im Supermarkt rund 15% günstiger gewesen als im Vorjahresmonat.
Überangebot bei gedämpfter Nachfrage
Dem stimmte der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) zu. Der Verband wies darauf hin, dass es derzeit erntebedingt ein Überangebot an Kartoffeln bei gedämpfter Nachfrage gebe. Allerdings beziehe die kartoffelverarbeitende Industrie den überwiegenden Teil ihrer Rohstoffe aus vorab geschlossenen Verträgen, also zu festen, an Produktionskosten angelehnten Vertragspreisen. Diese seien unabhängig von aktuell notierten Preisen am freien Kartoffelmarkt.
Der BOGK stellte klar, dass sich die kartoffelverarbeitende Industrie als zuverlässiger Partner der Landwirtschaft sehe. Sie stehe zu diesen Verträgen und partizipiere damit nicht beziehungsweise nur in einem geringen Ausmaß von niedrigen Rohstoffkosten in der Gesamtkalkulation. "Der Vertragsanbau ist notwendig, um langfristig die hohen Qualitätsstandards der Kartoffelverarbeitungsprodukte sicherzustellen und eine zuverlässige Belieferung zu gewährleisten", hob der BOGK hervor. AgE
