Die aktuell in einigen europäischen Ländern grassierende Vogelgrippe hat offenbar keinen Einfluss auf den Eiermarkt in der Europäischen Union. Laut Angaben der EU-Kommission lag der Durchschnittspreis für 100 Kilogramm Eier in der Woche zum 16. Februar im gewogenen Mittel der Mitgliedsländer bei 240,19 Euro; das bedeutete ein Plus von 7,1% binnen Jahresfrist. Das Vergleichsniveau von 2023 wird aber noch spürbar unterschritten. Allerdings warnen hierzulande Marktanalysten vor möglichen Engpässen zu den Osterfeiertagen.
Derweil sorgen in den USA nicht nur die starke Verknappung des Eierangebots und die Eierpreise auf ungeahnten Rekordhöhen nach der Tötung von Millionen Legehennen infolge der Vogelgrippe für Schlagzeilen, sondern auch die irrtümliche Entlassung von Mitarbeitern des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA).
Dabei wurden Washingtoner Medienberichten zufolge mehrere Mitarbeiter gefeuert, die an Maßnahmen zur Bekämpfung der Vogelgrippe im Land arbeiten. Man versuche nun, so schnell wie möglich die Entlassungen rückgängig zu machen, hieß es. Diese erfolgten im Zuge der Anstrengungen der Trump-Administration, die Zahl der Bundesangestellten möglichst zügig abzubauen. Am Donnerstag (20.2.) lud Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins zum Runden Tisch, um mit Branchenvertretern das weitere Vorgehen im Vogelgrippe-Geschehen zu erörtern.
Derweil grassiert die Seuche in den USA weiter. Aus dem Bundesstaat Indiana wurden diese Woche neue Fälle gemeldet. Dort traf es zuletzt zwei Putenhalter mit jeweils rund 19.000 Tieren. Seit Anfang dieses Jahres zählte allein Indiana, ein führender Produzent von Geflügel und Eiern unter den Bundesstaaten, 13 HPAI-Fälle in kommerziellen Haltungen. Gekeult werden mussten dort bislang gut 6,6 Millionen Legehennen und 11.600 Puten.
Entspannung in Frankreich
Auf dem europäischen Kontinent sind ebenfalls immer wieder Ausbrüche der Hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) zu beklagen. So meldete die Oberste Veterinärbehörde in Polen am Donnerstag (20.2.) den 26. Fall in diesem Jahr auf einem kommerziellen Betrieb. Dieser hielt aber keine Legehennen. Zu töten sind etwa 123.000 Puten. Seit Jahresbeginn mussten in Polen aufgrund der Geflügelpest insgesamt unter anderem 498.500 Puten und 1,39 Millionen Legehennen gekeult werden.
In Deutschland traf es zuletzt zwei Legehennenbetriebe in Niedersachsen. Betroffen waren in der ersten vollen Februarwoche ein Hof mit 12.000 Legehennen im Landkreis Friesland und einer mit 2.900 Tieren im Landkreis Aurich. Zuvor hatte es in Niedersachsen mehrmals Fälle der Geflügelpest gegeben, unter anderem in der Grafschaft Bentheim und im Landkreis Stade. Im vierten Quartal 2024 waren bundesweit insgesamt 14 HPAI-Nachweise festgestellt worden, allesamt bei Geflügelmastbetrieben.
Entspannt hat sich die Situation offenbar in Frankreich. Dort gab es zuletzt keine neuen Nachweise der Geflügelpest. Seit Beginn der aktuellen Saison wurden jenseits des Rheins insgesamt 15 HPAI-Nachweise in Geflügelhaltungen, vier in Hobbyhaltungen und 25 Ausbrüche bei Wildvögeln gemeldet.
Derweil informierte die niederländische Regierung am Dienstag (18.2.) über einen weiteren Fall von Geflügelpest bei einem Legehennenbetrieb in der Provinz Friesland. Betroffen sind dort 37.000 Tiere. Seit Ende Januar wurden in Belgien fünf Seuchenfälle festgestellt. Betroffen waren zuletzt am Dienstag (18.2.) ein professioneller Legehennenbetrieb in Sint-Gillis-Waas und zuvor vier Hobbyhaltungen.
Aufstallungspflicht in Irland
In Irland gilt seit Montag (17.2.) eine landesweite Aufstallungspflicht für gewerbliche und Hobbyhaltungen. Landwirtschaftsminister Martin Heydon begründete diese Maßnahme mit der erhöhten Ansteckungsgefahr. Der irische Bauernverband (IFA) begrüßte das Vorgehen der Regierung.
Dem IFA zufolge kann sich Irland damit besser vor einer weiteren Eskalation der Seuche schützen, zumal zuvor in Nordirland aufgrund eines HPAI-Verdachtsfalls in einem gewerblichen Bestand 64.000 Legehennen gekeult werden mussten. "Der betroffene Betrieb liegt in einem Gebiet mit einer hohen Konzentration an Geflügelbetrieben, darunter befinden sich viele in Grenznähe", berichtete der IFA-Vorsitzende für Geflügel, Nigel Sweetnam.
Auch in immer mehr Grafschaften Englands gilt eine Aufstallungspflicht. Die britische Chefveterinärin Christine Middlemiss verwies auf die Zunahme von HPAI-Nachweisen, insbesondere in Gebieten mit einer konzentrierten Geflügelhaltung.
Saisonaler Höhepunkt überschritten?
Indes sieht die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) mögliche Anzeichen für ein Nachlassen der globalen Seuchenintensität. In ihrem jüngsten Bericht zur HPAI stellt die WOAH fest, dass ihr im Januar weltweit insgesamt 144 Ausbrüche bei Geflügelhaltungen und 160 bei anderen Vögeln und Säugetieren gemeldet worden seien. Etwa 14,9 Millionen Geflügeltiere mussten im Januar aufgrund der Seuche gekeult werden, hauptsächlich in den USA.
Interessant sei, so die Organisation, dass die Gesamtzahl der gemeldeten Ausbrüche beim Geflügel für die ersten vier Monate seit Beginn der aktuellen saisonalen Welle Anfang Oktober 2024 bereits mit der Anzahl der gemeldeten Ausbrüche für den Zeitraum Oktober 2023 bis September 2024 vergleichbar sei.
Die jüngste Entwicklung lässt laut der WOAH aber nichtsdestoweniger darauf schließen, dass der saisonale Seuchenhöhepunkt beim Geflügel überschritten ist. Ob sich die HPAI tatsächlich in der Abwärtsphase befinde, müsse noch in den kommenden Monaten bestätigt werden, schränkt die Organisation zugleich etwas ein. In dem Zusammenhang gibt sie zu bedenken, dass es zuletzt einen Anstieg der HPAI-Ausbrüche bei Wildvögeln in Europa gab. AgE
