Den Strukturwandel in der Lebensmittelindustrie, insbesondere in der Fleischwirtschaft, bekommt auch das Kennzeichnungssystem Regionalfenster zu spüren. Wie die Regionalfenster Service GmbH am Dienstag (17.12.) berichtete, wird die Anzahl an Produkten, die mit dem Regionalfenster gekennzeichnet sind, in diesem Jahr erstmals zurückgehen. Anfang Dezember waren 5.533 Produkte von der GmbH freigegeben; das waren 6,5% weniger als im Vorjahr. Abmeldungen erfolgten insbesondere in den Produktgruppen Fleisch- und Wurstwaren.
Durch die Konzentration auf große, zentralisierte Betriebe stünden kleine und mittelständische Verarbeitungsunternehmen zunehmend unter Druck, stellte die Regionalfenster Service GmbH fest. Dies führe zu einem Rückgang lokaler Verarbeitungskapazitäten. Vor allem die Fleischwirtschaft steht der GmbH zufolge vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. "Einige Unternehmen, die auch mit dem Regionalfenster gekennzeichnete Produkte im Sortiment hatten, schließen Produktionsstandorte beziehungsweise ziehen sich aus dem deutschen Markt sukzessive zurück. Deshalb sind unsere Zahlen insbesondere in der Produktgruppe Fleisch- und Wurstwaren im Vergleich zum Vorjahr um rund 29% gesunken", so Peter Klingmann, Geschäftsführer der Regionalfenster Service GmbH.
Aufgrund der geänderten Marktverhältnisse wurde das Regionalfenster-Konzept angepasst: Es erlaubt nun wertgebende Zutaten anderer Herkunft, wenn diese aus klimatischen oder Verfügbarkeitsgründen nicht regional beschafft werden können. Diese Entwicklungen böten auch Chancen für ein größeres Bewusstsein für die Vorteile einer regionalen, tiergerechten Haltung, erklärte Klingmann. Dabei sei die Herkunftskennzeichnung in Kombination mit höheren Tierwohlstandards ideal.
Zudem achteten die Konsumenten bei den immer beliebter werdenden Fleisch- und Milchalternativen verstärkt auf die Herkunft. Auch hier lohne es sich, die Erzeugnisse mit dem Regionalfenster zu kennzeichnen, wirbt Klingmann für die Nutzung des Regionalfensters. Für eine verlässliche Orientierung seien die Kunden auch bereit, etwas mehr zu zahlen.
Im Sektor Gemüse und Obst sind laut Angaben der GmbH nach wie vor die meisten Lebensmittel mit dem Regionalfenster gekennzeichnet. Beide Produktgruppen blieben im Vergleich zum Vorjahr stabil. Erneut einen Zuwachs, und zwar von rund 5%, verzeichneten die registrierten Kartoffeln, deren Bio-Anteil bei 13% liegt. Klingmann sieht denn auch vor allem bei den Bio-Produkten weiteres Wachstumspotenzial für das Regionalfenster. AgE
