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Bio-Spitzenverband fordert Umbau des Ernährungssystems

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Den Umbau des Ernährungssystems sieht der Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, als zentrale Aufgabe der künftigen Bundesregierung. Er warnte heute zugleich vor einer Fortsetzung der bisherigen Agrarpolitik: "Den kritischen Zustand des Sektors weiter nur verwalten, wie das die letzte Bundesregierung gemacht hat, das ist fahrlässig, unwirtschaftlich und rückwärtsgewandt." Ein dramatisches Höfesterben und der Schwund an Mühlen, Bäckern oder Schlachthöfen in der Stadt und auf dem Land zeigten das ebenso deutlich wie horrende Gesundheitskosten, der Artenschwund oder die Klimakrise.

Löwenstein betonte die Vorbildfunktion des Ökolandbaus: "Die neue Bundesregierung kann Öko nutzen, um den Sektor enkeltauglich zu machen." Erforderlich dafür seien "endlich passende Rahmenbedingungen von A wie Agrarpolitik bis Z wie Züchtungsforschung anstatt bloßer Nachhaltigkeitsrhetorik, Freiwilligkeit oder Verzögerungstaktik." Das forderten seit langem die Wissenschaft, immer mehr Stakeholder aus der Wirtschaft sowie die Bürgerinnen und Bürger. Auch die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) sei sich einig: "Der Umbau drängt."

Eine neue sozial und ökologisch gerechtere Agrarpolitik erwartet der Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Georg Janßen, von der neuen Bundesregierung. Unter anderem müssten Bedingungen für eine faire Preispolitik geschaffen werden, etwa durch Marktkriseninstrumente und Änderung der Agrarmarktstrukturgesetze. Die EU-Agrarpolitik müsse durch ein Punktesystem reformiert werden, das klimaschonenden Ackerbau und artgerechte Tierhaltung belohne statt reinen Flächenbesitz. Kraftvoll angepackt werden müsse 2022 der flächendeckende Umbau hin zu einer artgerechten Tierhaltung, um eine Wegbrechen der bäuerlichen Tierhaltung zu verhindern. Gestoppt werden müsse der Ausverkauf des landwirtschaftlichen Bodens an außerlandwirtschaftliche Investoren. Eine große Chance bietet laut Janßen der Abschlussbericht der ZKL, der die Zukunft der Landwirtschaft als gesamtgesellschaftliche Aufgabe ansehe.

Auch der Präsident vom Zentralverband Gartenbau (ZVG), Jürgen Mertz, verwies auf die Zukunftskommission Landwirtschaft. Deren Diskussionen hätten gezeigt, "dass die gesamtgesellschaftliche Aufgabe nur gesamtgesellschaftlich gelöst werden kann." Den Betrieben müsse dabei eine Perspektive aufgezeigt werden, die ökologischen Veränderungen auch ökonomisch zu bewerkstelligen. Das gelte insbesondere für die politische Arbeit der kommenden Legislaturperiode. "Der ZVG bleibt wichtiger Gesprächspartner", unterstrich Mertz. Am Gartenbau mit seinen Produkten und Dienstleistungen komme man nicht vorbei. AgE

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